Freitag, 9. April 2010

Forsythia x intermedia - Aufzucht in der Holzkiste

Aufzucht in der Holzkiste
Eines vorneweg, dieser Weg der Jungpflanzenaufzucht wird ihnen viel Freude bereiten. Es wird wohl kaum eine andere Gehölzart geben, die sich auch nur annähernd so schnell zu einem Bonsai entwickeln lässt, wie die Forsythie, in der Holzkiste aufgezogen. Zur Holzkiste selbst braucht man wohl nicht mehr so viel erklären. Um eine Forsythie in Shohingröße zu entwickeln sollte man sich eine Kiste in den Maßen 30 x 40 x 10cm bauen. Sorgen sie für großzügige Abzugslöcher, um Staunässe zu vermeiden.
Bei diesem Weg der Aufzucht kann ich Ihnen auch eine Pflanze zeigen, die ich seit 2001 aus einem Steckling entwickelt habe.
Der Steckling wurde im Frühjahr 2001 bewurzelt und kam direkt nach der Bewurzelung in mein Anzuchtbeet. Dort ließ ich die Pflanze bis zum Sommer 2003 frei wachsen.
Eingetopft in die Holzkiste habe ich den Baum dann im Juli 2003. Wie oben bereits beschrieben, stellt ein so spätes Umtopfen für Forsythia kein Problem da und ist von mir schon sehr oft so gehandhabt worden.
Auch im Freiland hatte sich schon ein schöner, dichter Wurzelballen entwickelt. Dazu sah das Nebari ebenfalls schon sehr knorrig aus. Die Verteilung der Äste und wie hoch der Baum ist, war zu diesem Zeitpunkt noch von keinerlei Interesse. Hier kam es zunächst darauf an, alle senkrecht wachsenden Wurzeln zu entfernen. Des weiteren wurden alle seitlichen Wurzeln in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht. Es ist also wichtig, dass man mit dem schon sichtbaren Nebari zufrieden ist.
Als erstes Pflanzsubstrat benutzte ich eine Mischung aus Bims, Vitakraft Pond Akadama und ein wenig grobem Torf. Das Substrat war sehr durchlässig und schloss Staunässe weitestgehend aus. Das Substrat sollte so gewählt sein, dass Ihr Baum, auch wochenlangen Dauerregen ohne große Schutzmassnahmen unbeschadet übersteht.
Forsythien brauchen Sie nicht übermäßig zu Düngen. Der Gedanke, je mehr Dünger umso mehr Zuwachs, ist bei der Forsythie auch ein Märchen aus der Bonsaifabelwelt. Die Forsythie wächst ziemlich stark, ganz ohne Dünger. Natürlich bekommen meine Forsythien auch Dünger, sie sollen ja Gesund bleiben. Das aber in ganz normalen Verhältnissen und wenn sie in der Aufzucht sind. Sie sollten also auf den Einsatz von Düngern mit sehr hohen Stickstoffanteilen Abstand nehmen. Ein paar Brocken Bio-Gold sind sehr gut oder wenn Sie nicht auf diese teuren Sachen schwören, dann geht ein guter Flüssigdünger auch gut.
Eine Forsythie wächst dann immer sehr gut, wenn sie reichlich Auslauf für ihre Wurzeln hat. In einer großen Holzkiste hat sie das zunächst.
Im ersten Jahr durfte die vorgestellte Pflanze dann noch einmal kräftig durchwachsen. Es sollte sich zunächst das Nebari verbreitern und es sollte sich schon eine Verjüngung des Stammes entwickeln.



Die Rohpflanze nach zwei Jahren Wachstum im Anzuchtbeet. Die Äste und die Wurzeln sind zurückgeschnitten.


Der restliche Wurzelballen wird noch weiter zurückgeschnitten. Nur Wurzeln, die das Nebari verbreitern, bleiben stehen.


Dann kommt die junge Pflanze ohne weitere gestalterische Maßnahmen in eine geräumige Holzkiste.

Bis zum Spätherbst war sie anderthalb Meter hoch geworden. Der Stamm hatte sich schon weiter verdickt und um das gesamte Nebari waren neue Triebe entstanden. Die Forsythie neigt dazu, als vielstämmige Staude zu wachsen. Deshalb entstehen immer wieder neue Triebe aus ihrem Wurzelballen oder auch aus dem Stammansatz. Diese Triebe
nutze ich immer für eine gewisse Zeit um das Nebari zu verbreitern. Das klappt sehr gut. Nach spätestens einem halben Jahr entferne ich diese Triebe und die entstandenen Wunden schließt der Baum schnell mit überwallender Rinde.
Im Frühjahr 2004 wurde der Baum dann umgetopft. Auch in einer großen Holzkiste ist jährliches Umtopfen Pflicht. Die Wurzeln füllen in dieser Zeit die komplette Holzkiste aus.
Die Wurzeln wachsen innerhalb dieser kurzen Zeit derartig dicht, dass sie den Baum sehr wahrscheinlich aus der Kiste herausschneiden müssen. Sie können dabei sehr robust vorgehen. Ein scharfer Spaten löst den Wurzelballen vom Rand. Wenn der Spaten wirklich gut geschärft ist, können Sie den freigelegten Wurzelballen damit auch gleich in Form hauen. Den restlichen Wurzelschnitt sollten Sie dann aber doch lieber wieder mit einer Schere machen. Schneiden Sie dabei bis ans Nebari zurück. Wie gehabt entfernen Sie alle senkrecht wachsenden Wurzeln und die seitlichen Wurzeln werden wieder sortiert. Es verbleiben auf diese Art und Weise nur wenige kurze und feine Wurzeln. Die reichen aber aus, um den Baum nach dem Eintopfen erneut sehr stark weiter wachsen zu lassen.
2004 wuchs der Baum dann auch erwartungsgemäß weiter. Im Sommer war er schon wieder sehr lang und dicht geworden und man konnte an einen zweiten Rückschnitt denken. Die Entwicklung des Stammes sollte bei der Forsythie immer in der Zeit des starken Wachstums liegen. In dieser Zeit ist sie in der Lage auch große Wunden mit neuer Borke zu überwallen. Bei dem rigorosen Rückschnitt kam es dann aber zu dem Verlust der halben Pflanze. Jeder, der sich mit Forsythien beschäftigt wird irgendwann diese Erfahrung machen. Man schneidet beherzt zurück und erwartet dann einen explosionsartigen Neuaustrieb.


Über das Jahr entwickeln sich immer wieder neue Triebe. Die kann man als Opferäste zur Nebarientwicklung nutzen.


Nach einem Jahr freien Wachstum ist die Forsythie schon um einiges stärker geworden.


In nur einem Jahr füllt der Wurzelballen die komplette Holzkiste aus.


Nach dem Umtopfen und einem ersten Rückschnitt des Stammes.


Das Nebari nach einem Jahr in der Holzkiste.


Nach dem Rückschnitt auf wenige Äste ist der Strauch in nur zwei Monaten wieder eineinhalb Meter hoch wie breit.


Ein Fehler mit Folgen. Diese Schnitttechnik kann zum teilweisen Verlust der Pflanze führen.


Dies ist die Forsythie, die mit besonders gutem Substrat eine sehr gesunde Mykhoriza entwickelte. Das ist der gesamten Entwicklung des Baumes zu Gute gekommen.


Das Nebari entwickelte sich sehr gut. Der Wurzelschnitt wird immer sehr knapp am Wurzelansatz gemacht,. trotzdem bleiben genügend Feinwurzeln zum Überleben.


Der linke Ast starb durch eine falsche Schnitttechnik ab. Wie das zu vermeiden ist, beschreibe ich weiter unten.


Bei der Verwendung von Wundknete schließt sich eine Schnittwunde besonders gut und schnell.

Forsythie neigen dazu, ganze Äste oder auch den ganzen Stamm absterben zu lassen, wenn ein Rückschnitt zu hart ist. Das passiert oft an den Ästen, an denen der ganze Austrieb mit abgeschnitten wurde. Mit dieser Forsythie ist das auch passiert. Da sie noch in der Entwicklung war, konnte man dann einen neuen Weg gehen. So wurde der Baum bis ins Frühjahr 2007 in der Holzkiste belassen und er entwickelte sich prächtig weiter. Das Nebari wurde immer breiter und es werden in Zukunft, ähnlich wie ein Nebari an einem Dreispitzahorn, die Wurzeln zu einer Einheit verwachsen. Im Frühjahr 2007 kam der Baum in seine erste Schale. Die war farblich nicht passend, und auch noch zu groß. Petra Hahn fertigte mir eine passende Schale an und der Baum steht seit dem Frühjahr 2008 darin und wird jetzt nur noch Feinverzweigt. Das Nebari ist ebenso breit wie diese neue Schale. Deshalb musste sie etwas tiefer sein, damit sich noch genügend Wurzeln für ein gesundes Weiterwachsen entwickeln können.


2007 nach dem Umtopfen in die erste Schale. Den Frühjahrsaustrieb ließ ich lang durchwachsen.


Nach dem Rückschnitt im Mai. Allmählich zeigt sich eine schöne Form.


Nur mit Mühe liess sich der Baum in die neue Schale pflanzen.


Im August 2008. Das Substrat hatte sich als zu grob erwiesen. Der Baum wurde noch einmal mit feinerem Substrat umgetopft. Danach trieb er noch einmal mit schönen, kleinen Blättern aus.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

habe ich jetzt überlesen was der Fehler beim beschneiden war? was war den die falsche Schnittechnik?

Reiner hat gesagt…

Die falsche Schnittechnik wäre es, wenn man einen Ast soweit zurückschneidet das kein Blatt mehr daran ist. Die Forsythie vernachlässigt solche blattlosen Äste dann gleich und läßt oft gleich den ganzen Ast vertrocknen.

Anonym hat gesagt…

vielen dank für die antwort.
ich würde 2 bis 3 blattpaare stehen lassen - wäre dies richtig?

Reiner hat gesagt…

Das wäre OK. Hast Du gesehen, dass es im April 2010 sehr viele Einträge zum Thema Forsythie in diesem Blog gibt? Wenn Du alles gelesen hast, weißt Du alles zum Thema Forsythienbonsai.
Danke für Deine Kommentare :-)